Studie enthüllt "vermisste" Wale
Studie zeichnet trauriges Bild über Ist-Zustand der Meeressäuger
London (pte, 25. Juli 2003 15:16) - Die Walbestände im Nordatlantik sind kleiner als Wissenschaftler dies bisher angenommen haben. Genetische Untersuchungen an bestehenden Buckelwalen zeichnen ein trauriges Bild der Meeressäuger: die existierenden Populationen weisen auch daraufhin, dass vor dem Beginn des kommerziellen Walfangs die Zahl der Tiere wesentlich größer gewesen sein muss als Forscher dies bisher angenommen haben, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist http://www.newscientist.com .
"Die Untersuchung zeichnet darüber hinaus ein völlig neues Bild der tatsächlichen Situation in unseren Meeren", meint der Studienautor Joe Roman, Evolutionsbiologe an der Harvard Universität. Das nimmt insbesondere den Walfangnationen den Wind aus den Segeln, wenn sie mit dem Argument "es gebe inzwischen ohnedies genügend Wale" auftreten. Die Pionierstudie gründet auf dem Prinzip, dass Spezies mit großen Populationen eine große genetische Vielfalt aufweisen. Roman fand in Buckel-, Minke- und Finnwalen unerwartete genetische Variationen, die immer noch bestehen. Das erlaube den Schluss, dass vor dem kommerziellen Walfang die Populationen der Wale wesentlich größer gewesen sein müssen als dies bisher angenommen wurde.
Alle drei Walarten sind derzeit durch ein Moratorium geschützt. Allerdings weigert sich Norwegen dieses einzuhalten und macht unter dem Vorwand "wissenschaftliche Studien" zu betreiben weiterhin Jagd auf Minkewale. Insgesamt sollen nach Angaben des Forschers im Atlantik etwa 240.000 Buckelwale, 24 Mal so viele wie heute, und 360.000 Finnwale, etwa sechsmal so viele wie heute, gelebt haben. Bei den Minkewalen waren die Schätzungen näher als bei den anderen Walarten: Derzeit leben etwa 149.000 Minkewale im Nordatlantik, damals waren es rund 265.000. Der Biologe glaubt, dass der Gesamtzustand des Ozeans mit den Folgen der kommerziellen Fischerei und anderen Faktoren auch den Lebensraum der Tiere massiv eingeschränkt hat. Der Forscher sieht keinen Grund das Moratorium zum Walfang aufzuheben. Die Studienergebnisse kommen genau zwei Monate nach den verheerenden Urteilen von Forschern über den Zustand der kommerziell genutzten Fische im Nordatlantik. Damals haben die Experten gemeint, dass 90 Prozent der Fische in den großen Fischereiregionen ausgerottet sind. (Ende)
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